Eine vergebene Domain kaufst du, indem du den Inhaber direkt anschreibst oder ein Angebot auf einem Marktplatz wie Sedo oder Afternic abgibst. Läuft die Domain aus, kann ein Backorder sie nach der Löschung sichern. Gezwungen werden kann der Inhaber nur, wenn er deine Marken- oder Namensrechte verletzt.
„Diese Domain ist bereits vergeben.“ Den Satz sieht jeder, der einen kurzen, sprechenden Namen sucht. Bei .com ist das die Regel, bei .de immer öfter. Dahinter steckt aber sehr Unterschiedliches: ein aktiver Shop, ein Parkplatz mit Verkaufsbanner, ein vergessenes Hobbyprojekt oder ein Investor mit tausend anderen Namen.
Vergebene Domain kaufen: erst herausfinden, wer dahintersteckt
Bevor du über Geld nachdenkst, schau, was auf der Domain passiert. Daraus ergibt sich fast immer der passende Weg:
| Was du siehst | Wahrscheinlicher Inhaber | Realistischer Weg |
|---|---|---|
| Aktive Website mit Impressum | Firma oder Privatperson, die den Namen nutzt | Direkt anfragen, Chancen eher gering |
| Verkaufsseite „This domain is for sale“ | Domaininvestor oder Marktplatz-Kunde | Angebot über den Marktplatz |
| Werbe-Parkseite ohne Verkaufshinweis | Investor oder vergessener Altbestand | Über Marktplatz oder Registrar anfragen |
| Fehlermeldung, keine Seite | Ungenutzt, oft Privatperson | Direktkontakt, Ablauf beobachten |
| Weiterleitung auf eine andere Marke | Defensive Registrierung | Kaum Chance |
Ob ein Name wirklich belegt ist, zeigt dir die Domainsuche von betadomain in Sekunden. Prüfe dabei gleich die Varianten: Ist die .de vergeben, ist die .com vielleicht frei, oder umgekehrt.
Weg 1: den Inhaber direkt ansprechen
Der Direktkontakt ist der häufigste und oft der günstigste Weg. Bei .de-Domains von Firmen und Vereinen zeigt das Whois der DENIC seit Januar 2026 die Kontaktdaten öffentlich an. Bei Privatpersonen fehlen sie, dort bleiben Impressum, alte Archivfassungen der Seite oder der Provider, der im Whois steht.
Wie du die erste Nachricht formulierst, welchen Vertrag du brauchst und wie die Zahlung abläuft, steht ausführlich im Ratgeber Domain von privat kaufen. Die Kurzform: knapp schreiben, keine Pläne verraten, über Treuhand zahlen.
Weg 2: Marktplätze und Broker
Viele vergebene Domains stehen offen zum Verkauf. Die großen Marktplätze heißen Sedo und Afternic, letzteres gehört zu GoDaddy und hat 2025 die Inserate von Dan.com übernommen, als GoDaddy diese Plattform eingestellt hat. Dort gibt es drei Formen:
- Festpreis („Sofortkauf“). Du zahlst den genannten Betrag, die Plattform wickelt die Übertragung ab.
- Preisvorschlag. Du bietest, der Verkäufer nimmt an, lehnt ab oder macht ein Gegenangebot.
- Broker. Bei Domains ohne Inserat kannst du einen Vermittler beauftragen, der den Inhaber anonym anspricht. Das kostet in der Regel eine Gebühr oder Provision, die du vorher schriftlich klären solltest.
Der Vorteil der Marktplätze ist die eingebaute Treuhandabwicklung. Der Nachteil: Festpreise von Investoren sind selten Schnäppchen. Ob ein Preis halbwegs passt, kannst du mit den Kriterien aus dem Artikel Domainwert ermitteln prüfen.
Weg 3: Backorder und Löschung abwarten
Nicht jede Domain wird verlängert. Bei .com und anderen gTLDs ist der Ablauf öffentlich und folgt festen Phasen: Ablaufdatum, Grace Period beim Registrar, Redemption Period (in der Regel 30 Tage), dann fünf Tage pendingDelete und schließlich die Freigabe. In diesem Fenster kann ein Backorder-Dienst die Domain im Moment der Löschung registrieren.
Die Grenzen solltest du kennen:
- Viele Registrare versteigern auslaufende Domains ihrer Kunden schon vor der Löschung. Gute Namen kommen dann gar nicht erst frei.
- Haben mehrere Leute denselben Namen vorgemerkt, entscheidet häufig eine Auktion unter ihnen.
- Bei .de gibt es kein öffentliches Ablaufdatum. Nach einer Löschung folgt eine 30-tägige Redemption Grace Period, in der nur der letzte Inhaber die Domain zurückholen kann. Danach ist sie frei, und automatisierte Systeme sind schneller als jeder Mensch.
Ein Backorder ist also eine Wette, kein Kauf. Für Namen, die dir wirklich wichtig sind, ist der Direktkontakt verlässlicher.
Weg 4: Rechte geltend machen
Hast du eine eingetragene Marke oder ein Namensrecht, und jemand nutzt den Namen, um von dir zu profitieren, gibt es rechtliche Hebel. Bei .de sind das Unterlassungs- und Löschungsansprüche nach §§ 14, 15 MarkenG oder § 12 BGB, abgesichert durch einen DENIC-Dispute-Eintrag. Bei gTLDs gibt es das UDRP-Verfahren bei der WIPO, das für ein bis fünf Domains mit einem Einzelpanelisten 1.500 US-Dollar kostet.
Das ist kein Weg, an eine attraktive Domain zu kommen, nur weil sie dir gefällt. Wer eine Domain vor deiner Marke registriert hat, darf sie in der Regel behalten; so hat es der BGH 2009 im Fall „ahd.de“ gesehen. Wann Rechte greifen, beschreiben die Artikel zu Markenrecht bei Domains und Domain-Grabbing.
Weg 5: einen anderen Namen nehmen
Klingt banal, ist aber oft die vernünftigste Lösung. Fünf Varianten, die erstaunlich häufig frei sind:
- Dieselbe Bezeichnung mit anderer Endung: .de statt .com, .eu, .shop oder eine Branchenendung.
- Ein Verb davor: „hol“, „mach“, „mein“, „get“, „try“.
- Ein Ortsbezug: „kassel-“, „-berlin“, oder Endungen wie .berlin.
- Der Plural oder die Einzahl.
- Eine Kombination aus zwei kurzen Wörtern statt einem.
Bindestriche funktionieren technisch, wirken beim Diktieren am Telefon aber umständlich. Bei kurzen Firmennamen kann eine neue Endung trotzdem besser sein als eine verbogene .de.
Was kostet eine vergebene Domain?
Darauf gibt es keine seriöse Pauschalzahl. Der Preis hängt davon ab, wer verkauft, wie sehr er den Namen schätzt und wie viel Alternativen du hast. Ein Privatmensch mit einem ungenutzten Namen ist mit einem dreistelligen Betrag manchmal zufrieden, ein Investor mit einem kurzen Gattungsbegriff rechnet ganz anders. Was eine echte Premium-Domain von einer ganz normalen unterscheidet, steht im eigenen Artikel.
Hilfreich ist ein eigenes Limit, bevor du schreibst. Rechne aus, was die Alternative kostet: eine freie Domain für 2,99 € im Jahr plus etwas mehr Marketing. Liegt der Kaufpreis um ein Vielfaches darüber, sollte der Name dir messbar mehr bringen.
Nach dem Kauf: zügig übertragen
Ist der Deal fix, folgt die Übertragung per Inhaberwechsel oder Auth-Code. Bei gTLDs blockieren manche Registrare Transfers in den ersten 60 Tagen nach einer Registrierung oder einem Wechsel. Alles Weitere steht in der Anleitung Domain übertragen nach Kauf.
Bevor du überhaupt verhandelst, lohnt ein letzter Blick auf freie Alternativen. In der aktuellen Preisliste aller Endungen findest du rund 490 Kandidaten mit festen Jahrespreisen.
Domain gefunden? Prüfen und registrieren kannst du sie direkt bei Domain kaufen – Jahrespreis ab 2,99 €.
Häufige Fragen
Kann ich eine vergebene Domain einfach übernehmen, wenn sie nicht genutzt wird?
Nein. Auch eine ungenutzte Domain gehört dem Inhaber, solange er sie bezahlt. Ein Anspruch auf Übertragung besteht nur, wenn die Registrierung deine Namens- oder Markenrechte verletzt, und selbst dann muss das ein Gericht oder ein UDRP-Panel feststellen.
Wie erkenne ich, ob eine Domain bald frei wird?
Bei gTLDs wie .com zeigt das Whois ein Ablaufdatum und Status wie redemptionPeriod oder pendingDelete. Bei .de gibt es kein öffentliches Ablaufdatum. Eine gelöschte .de-Domain steckt zunächst 30 Tage in der Redemption Grace Period, erst danach kann sie jemand anderes registrieren.
Lohnt sich ein Backorder?
Bei .com, .net und anderen gTLDs kann ein Backorder sinnvoll sein, wenn die Domain sichtbar ausläuft. Bei begehrten Namen laufen aber mehrere Backorder-Dienste gegeneinander, am Ende gibt es oft eine Auktion. Bei .de ist das Rennen um gelöschte Domains schwer planbar.
Was ist eine gute erste Nachricht an den Domaininhaber?
Kurz, freundlich, ohne Firmennamen oder Geschäftspläne. Frag, ob er grundsätzlich verkaufen würde und welchen Preis er sich vorstellt. Je weniger du über deinen Bedarf verrätst, desto weniger landet im Preis.